Identifikation und Zauber des Augenblicks

in Neuer Musik und Sport

Sa | 15.12.2012 | 20.00 Uhr

Musik – Diskussion – Musik


Richard Wagner (1813-1883)
Vorspiel zu Tristan und Isolde, bearb. Markus Bongartz (1963) für Flöte, Oboe, Saxophon, Violine, Violoncello, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug (2012), UA der Bearbeitung


John Cage (1912-1992)
cheap imitation (Auswahl) in den Versionen für Klavier (1969)

 

Hannes Seidl (1977)
The Art of Entertainment für Violine, Tenor-Saxophon, Klavier, Schlagzeug und Zuspielung (2006)

 

John Cage (1912-1992)
cheap imitation (Auswahl) in den Versionen für Violine (1977)

 

Martin Schüttler (1974)
Gier für Oboe, Schlagzeug, Kontrabass und Live-Elektronik (2007-2008)

 

 

ensemble mosaik
Bettina Junge, Flöte
Simon Strasser, Oboe
Christian Vogel, Klarinette
Martin Losert, Saxophon
Ernst Surberg, Klavier
Roland Neffe, Schlagzeug
Chatschatur Kanajan, Violine
Mathis Mayr, Cello
Matthias Bauer, Kontrabass
Daniel Plewe, Live-Elektronik/Klangregie


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Einen größeren Gegensatz als den zwischen dem auf Emotion und Überwältigung abzielenden Vorspiel des Helden „Tristan“ von Richard Wagner und der Musik von John Cage, die gerade in cheap imitation jede Absicht, selbst die nach Originalität, von sich weist, ist wohl kaum vorstellbar. Dies ist zugleich auch die Nahtstelle, an der sich das Selbstverständnis der „Neuen Musik“ – jedenfalls in ihren am besten ideologisch fundierten und formulierten Strömungen – am nachdrücklichsten zeigt: in ihrer moralischen Verpflichtung, aufzuklären und sich nicht einfach so vom Strom der Empfindungen hin zu geben zu Gunsten der Einsicht in die Art und Weise des Gemacht- und Gewordenseins. Das Brecht‘sche Einfühlungsverbot mag da eine Rolle spielen. In diesem Spannungsfeld zwischen Wagner und Cage finden sich Werke der jüngeren Komponistengeneration - Martin Schüttler und Hannes Seidl - die den Spagat zwischen Identifikation und intellektueller Redlichkeit in ganz eigener Weise zeigen.


Alle Werke sind kurz oder in gewisser Weise auch unabgeschlossen – sie wirken über ihre Dauer hinaus nach, in den freien Raum der Pausen dazwischen und auch in die Diskussion, die diese ästhetischen Prämissen auf den Prüfstand stellt: etwas plump könnte man fragen „Wo bleibt in der Neuen Musik der Held, der Siegfried der Opernbühne, der Fußballstar im Stadion, mit dem man sich identifizieren kann?“ Wie entstand die „Negation der Identifikation“ in der Ernsten Musik nach 1945? Spielen dabei rein zeitgeschichtliche Gründe eine Rolle? Oder gab es gleichzeitig eine musikimmanente Entwicklung, aus der heraus das musikalische Werk sich dem Subjekt nicht mehr als Identifikationsmöglichkeit anbot? Ist vielleicht genau dies das Ziel aller Kunst im Sinne ihrer möglichst vollständigen Autonomie?


Dem gegenüber steht der Zauber des Augenblicks, ob nach Konzerten oder Opernaufführungen, nach denen das Publikum viele Minuten applaudiert oder nach einem EM- Sieg unserer Fußballmannschaft, nach dem ausgiebig gefeiert wird. Und natürlich die mitreißenden, erhebenden Erfolge des einzelnen „Kämpfers“, wie beispielsweise der Gewinn des 5000-Meter-Laufs von Dieter Baumann bei den Olympischen Spielen in Barcelona 1992. Was können die Betroffenen zu diesen Momenten sagen? Was passiert, wenn das Erleben von Sportlern und Musikern, welches solch einen Moment umfasst, auf die Neue Musik trifft?


Darüber diskutieren auf dem Podium:

Tanja Damaske, Psychologin, Ex-Speerwurf-Europameisterin (Berlin)
Andreas Ulrich, Sportreporter (Rundfunk Berlin-Brandenburg)
Martin Schüttler, Komponist (Berlin)
Markus Bongartz, Komponist (Berlin)

Moderation: Walter-Wolfgang Sparrer, Musikwissenschaftler und Publizist (Berlin)

Veranstaltungsort
Konzerthaus Berlin Werner-Otto-Saal
Gendarmenmarkt
10117 Berlin

Kartenansicht


Eintritt 15 Euro ohne Ermäßigung


Karten 030 - 20309 - 2101 (VVK gebührenfrei) oder online www.konzerthaus.de (VVK-Gebühr: 1,50 Euro)

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